In der 2ten Reihe – Was kommt nach dem Handel?

SperleBearbeiter: Dr.-Ing. Tilman Sperle
Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Franz Pesch
Universität Suttgart, Städtabau-Institut
tilman.sperle@si.uni-stuttgart.de
Webseite

Die Frage, was nach dem Handel kommt mag polemisch klingen, angesichts der herausragenden Bedeutung, die der Handel in den städtestädtischen Zentren einnimmt. Seit jeher ist die europäische Stadt eine Handelsstadt und neben seiner originären Versorgungsfunktion nimmt der Handel in den städtischen Zentren stadtgestalterische und soziale Funktionen ein. Der Handel ist das integrierende Medium für Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Bildung sowie öffentliche wie private Dienstleistungen. Mit seiner belebenden Wirkung trägt der Handel maßgeblich zur Attraktivität des öffentlichen Raums und damit zur Urbanität in den Städten bei.
Dennoch sind die Erosionserscheinungen des Handels gerade in den Nebenlagen – den
Stadtteil- und Ortsteilzentren – unübersehbar. In den in den Stadtrandlagen der Innenstädte mittelgroßer Städte (100.000-250.000 Einwohner) und an der Peripherie von Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern tritt vermehrt Leerstand auf. Am jeweiligen Standort sind davon insbesondere die b-Lagen, also die Ränder betroffen.
Der Bedeutungsverlust der Nebenzentren wird begleitet von zahlreichen kumulierenden, bisweilen schon seit Jahren anhaltenden Trends wie Bevölkerungsverlust und Überalterung, Polarisierung zwischen Innenstadt und Grüner Wiese – oder one-stop-shopping vs. Lust- und Freizeiteinkauf, Wegfall anderer Frequenzbringer wie Post und Banken, Rückzug von sozialen und kulturellen Einrichtungen wie etwa der Kirchen sowie die Konzentration
kommunaler Verwaltungseinrichtungen auf weniger Standorte. Unabhängig vom aktuellen Stand des Konsumklima-Index schwindet die Kaufkraft und wird gleichzeitig der Teil des freiverfügbaren Einkommens kleiner, der dem Einzelhandel vorbehalten ist. Hinzu kommt die inneren Erosion des Handels, der Aufgabe des inhabergeführten Einzelhandels und des Lebensmittelhandwerks.
Die zahlreichen Maßnahmen, die heute zur Revitalisierung von Nebenlagen angewendet werden, gehen implizit von der Rückkehr einer Handelsnutzung aus. Aber schon seit einigen Jahren wird bei den Interessenverbänden des Einzelhandels offen von Rückbau bzw. der Umnutzung von Handelsflächen gesprochen. In der Stadtplanung wird dieses Thema erst seit kurzem diskutiert.
Die zentrale Frage lautet nun: Welche Nutzungen folgen dem Handel in den Nebenzentren, welche Nutzungskonzepte gibt es? Welche Perspektiven bieten sich den Nebenzentren gerade mit Hinblick auf eine sich abzeichnende Reurbanisierung.
Im Rahmen der Arbeit soll diesen Fragen anhand von drei Fallstudien und Experteninterviews nachgegangen werden.

Stand: September 2009