Die Veränderung der Lernkultur in einer peripheren Region – im Spannungsfeld von bürgerschaftlichem Engagement, kooperativer Verwaltung und Schaffung innovativer Milieus

SperberVerfasser: Michael Sperber
Michael.Sperber@TU-Cottbus.de
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Das Thema „Lernkultur einer peripheren Region“ verbindet drei wissenschaftliche Disziplinen, nämlich Raumplanung, Sozialwissenschaften und Erwachsenenbildung.

Ausgangssituation

Im Mittelpunkt der Arbeit steht die ehemalige Braunkohlestadt Werkleben in Südbrandenburg. Sie war einst ein Zentrum der DDR-Energiewirtschaft, ist heute aber überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit und Schrumpfungsprozessen betroffen. Bei meinem ersten Besuch Werklebens im Jahr 2000 beeindruckte mich das Nebeneinander gegensätzlicher Prozesse im Strukturwandel: Einerseits wurde durch erhebliche Finanztransfers (Braunkohlesanierungsabkommen) ein spektakulärer Umbau der ehemaligen Tagebaulandschaft in eine Seenlandschaft („Größte Landschaftsbaustelle Europas“) bewerkstelligt. Andererseits konnte ich in den sozialen Milieus eine starke Orientierung an den alten industriellen Verhältnissen, Rückzugstendenzen und soziale Schließung feststellen. Das Interesse externer Entwicklungsträger an der Stadt Werkleben war nahezu „null“. Ich begann mich für das Phänomen „periphere Region“ als eine eigenständige Kategorie zu interessieren:

„Eine Region ist peripher, wenn keiner mehr an Veränderung glaubt.“

Untersuchungsleitende Fragen:
Wie stellt sich Peripherie als sozialgeographische Einheit mit eigenen Regeln, Normen und Prozessen dar?
Wie kommt es zu den Entwicklungsblockaden peripherer Regionen? Unter welchen Bedingungen ist die Schaffung innovativer Milieus und die Etablierung neuer Entwicklungsrichtungen möglich?

Forschungsansatz

1993 hat D. Ipsen in einem Aufsatz einen handlungstheoretischen Ansatz zur Entwicklung von Räumen vorgestellt, nach dem es „… in der Regel darum [geht], welche Vorstellungen über einen Raum sich durchsetzen können, oder mehr auf den Prozeß bezogen, welche soziale Gruppe in der Lage ist, gegenüber anderen Gruppen ihre Werte und ihre Sicht der Dinge durchzusetzen“. Anders gesagt: Wenn man annimmt, dass Entwicklung auf dem Handeln von Akteuren basiert und diesem Handeln Vorstellungen zu Grunde liegen, dann setzt eine neue Entwicklungsrichtung einer Region auch die Veränderung der handlungsleitenden Vorstellungen voraus. Und die Veränderung von Vorstellungen ist schlicht ein Lernprozess. Unter Lernkultur einer Region kann man also in erster Annäherung die mentalen Voraussetzungen für die Veränderung der Region verstehen. Da externe Entwicklungsträger weitgehend ausfallen – und auch die Unternehmensstruktur der Niederlausitz nur über wenig Potenzial zur Entwicklung der Region verfügt – konzentrierte ich mich auf 3 Akteursgruppen, die mir relevant für die Entwicklung Werklebens schienen: engagierte Bürger, Verwaltungen und kreative
Organisationen.

Methodik

  • Teilnahme am Lebensalltag / Kontextwissen (Region und Stadt Werkleben)
  • Dokumentenanalyse
  • teilnehmende Beobachtung bei einschlägigen Bürgerinitiativen (Lokale Agenda 21) sowie themenbezogenen Beteiligungsprozessen (Schnittstelle bürgerschaftliches Engagement / Verwaltung / kreative Organisationen)
  • Einzelinterviews (theoretical sampling)

Ergebnisse
… werden vorgestellt

Stand: März 2007