Raumwissenschaftliche Zukunftsforschung – eine sinnvolle Aufgabenerweiterung der Stadtentwicklungsplanung? Eine anwendungsorientierte Untersuchung anhand von zwei Fallbeispielen

HeinrichVerfasser: Dipl. Geograph Daniel Heinrich
Betreuer: Prof. Dr. Uta Hohn
Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl für Internationale Stadt- und Metropolenentwicklung
Daniel.Heinrich-79@rub.de
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Diese Dissertation soll einen Beitrag zur geographischen Prognostik leisten, um die geographische Prognostik als Teildisziplin der Geographie zu stärken. Die meisten Prognosen, die erstellt werden, sind kurzfristige Zeitgeistanalysen (Opaschowski 2006). Zentrale Verständnisvoraussetzung bei der Prognostik ist das Akzeptieren, dass es niemals die eine Prognose gibt, sondern immer alternative Zukünfte prognostiziert werden (Godet 1994). Das Aufzeigen von Zukünften in Prognosen ist ein Instrument der strategischen Planung und der Frühaufklärung (Steinmüller 2005, Kreibich 2006). Dieses Instrument kann eingesetzt werden, um die zukünftig gewünschte Raum- und Siedlungsstrukturentwicklung deutscher Städte im Sinne der Nachhaltigkeit zu stärken (Stiens 2003). Das Vertrauen in das Steuerungsverständnis der räumlichen Planung soll damit gestärkt werden. Der räumlichen Planung sollen dadurch langfristige Wege offenbart werden, die „Verbetriebswirtschaftlichung“ (Franck 2006) der Städte im Sinne nachhaltiger Konzepte umzugestalten.
Alle strategischen Entscheidungen, die von den Verantwortlichen in den Städten heute getroffen werden, sind daher eminent wichtig für die zukünftige Gestaltung der Lebensverhältnisse und der Finanzen innerhalb der Städte. Zur Erfüllung beider Punkte benötigen die Städte in der Bundesrepublik Deutschland in den nächsten Jahren weise durchdachte strategische Entscheidungen. Für diese Entscheidungen ist die räumliche Planung der wichtigste Akteur, da die Raumordnung/räumliche Planung die Ansprüche in sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht an den Raum plant und ordnet(§1 ROG).
Bei allen regionalgeographischen Theorien kristallisiert sich Wissen als der zentrale neue „vierte“ Produktionsfaktor heraus. DRUCKER (1993, S. 7) bezeichnet die postkapitalistische Gesellschaft als Wissensgesellschaft. Bei ROMER (1986, 1990) findet Humankapital Eingang in die ökonomischen Theorien. In den verschiedenen Theorien, die als New Economic Geography zusammengefasst werden spielt Wissen, aber auch der Austausch des Wissens eine zentrale Rolle (Porter 1991; Raueiser 2005; Florida 2002, 2005, 2007; Lundvall 1996, 2002, 2006).
In dieser Untersuchung sollen Szenarien erstellt werden. Der behandelte Zeitraum sollte ca. 20 Jahre umfassen. Für jede Untersuchungsstadt sollten mindestens drei Szenarien erstellt werden. Dabei sollen die Szenarien explorative und normative Elemente enthalten. Zur Veranschaulichung der Szenarien wird die Methode der kartographischen Synthese der Szenarien (kurz Karthoszenarien) verwendet, wobei visuelle Unterstützung des geschriebenen hier eine vermittelnde Funktion dem Leser gegenüber einnimmt. Um die Szenarien entwerfen zu können, werden quantitative und qualitative Arbeitsmethoden verwendet. Um Problemzusammenhänge wirkungsvoll analysieren zu können ist die Entwicklung eines Indikatorensets unvermeidlich. Die ausgesuchten Indikatoren orientieren sich an den Grunddaseinsfunktionen des Menschen (Rupert & Schaffer 1969). Jeder Grunddaseinsfunktion werden Metamerkmale und jedem Metamerkmal verschiedene quantifizierbare Variablen zugeordnet. Ziel ist es die Stärke des Einflusses dieses anthropogenen Kräftefeldes besser zu verstehen. Die Daten sollten die vergangenen 15-20 Jahre darstellen können.
Leitfadeninterviews mit den entsprechenden Akteuren der Raumplanung/Stadtentwicklung sollen über bisherige und zukünftige Strategien der Stadtentwicklung aufklären. Die Interviewpartner werden auch über ihre Bereitschaft zur weiteren Mitarbeit befragt. Nach der französischen Schule sollen Arbeitsgruppen die Szenarien bewerten (Godet 1994). Die Interviewpartner der zuständigen Stadt erscheinen dafür prädestiniert.
Erstes Untersuchungsgebiet soll Kopenhagen mit seiner Verflechtungsregion Hovedstaden sein. Kopenhagen gilt neben Stockholm als kreative Wissensstadt Europas (Paal 2005).
Die Quellenlage ist dank der umfangreichen Erhebungen von StatBank Denmark ausgezeichnet. Diverse raumwissenschaftlich interessante Projekte wie die Ørestad, die Hafenrevitalisierung und das Nordhavnenprojekt sind innerhalb der letzten 16 Jahre abgewickelt worden und haben der Stadt geholfen, sich als Kraftzentrum Nordeuropas zu positionieren (Priebs 2000).
Die Auswahl weiterer Untersuchungsgebiete befindet sich in Bearbeitung.
Die behandelte Grundhypothese lautet:
Im Disziplinfeld raumwissenschaftlicher Zukunftsforschung findet die Prognostische Geographie seinen berechtigten Platz. Die Planung muss nicht resignieren. Wenn eine Art von Planung zukunftsfähig ist und die Planungsdiskussion neu beleben kann, dann ist es die übersektorale räumliche Stadtentwicklungsplanung, welche das Steuerungsverhältnis und somit die Rolle des Staates neu definiert.