GEW: „Bund und Länder müssen Entfristungsoffensive an Hochschulen starten!“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Bund und Länder aufgefordert, mit einer „Entfristungsoffensive“ für bundesweit 50.000 zusätzliche Dauerstellen an den Hochschulen zu sorgen. Das ist eine der zentralen Forderungen der „Wittenberger Erklärung“, die die Bildungsgewerkschaft während der 9. GEW-Wissenschaftskonferenz in Lutherstadt Wittenberg vorgelegt hat. „Kurz- und Kettenverträge sind nicht nur unfair gegenüber den betroffenen Beschäftigten, sie untergraben auch die Kontinuität und damit Qualität von Forschung und Lehre. Darüber hinaus brauchen wir in Zukunft immer mehr hoch qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, um die auf hohem Niveau bleibende Zahl der Studierenden angemessen zu betreuen“, erklärte Andreas Keller, stellvertretender GEW-Vorsitzender und Hochschulexperte, am Donnerstag in Wittenberg.

Die Bildungsgewerkschaft stützt sich auf eine wissenschaftliche Expertise, die das Institut für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung erstellt hat. Danach muss allein an den Universitäten die Zahl der Professorinnen und Professoren um über 80 Prozent, die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um mindestens 30 Prozent erhöht werden. „Die Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes im Frühjahr 2016 war ein überfälliger Schritt, für den sich die GEW im Rahmen ihrer Kampagne für den ‚Traumjob Wissenschaft‘ über Jahre stark gemacht hatte. Die Zeit ist jetzt reif für eine Entfristungsoffensive im akademischen Mittelbau“, sagte Keller. „Nachdem das Kooperationsverbot im Grundgesetz für den Wissenschaftsbereich bereits 2014 gelockert worden ist, kann sich der Bund nicht länger aus der Verantwortung stehlen: Er muss den Ländern bei der Verbesserung der Grundfinanzierung der Hochschulen unter die Arme greifen“, unterstrich der GEW-Vize.

Darüber hinaus macht sich die Bildungsgewerkschaft für eine Aufstockung des Pakts für den wissenschaftlichen Nachwuchs stark, über den Bund und Länder 1.000 Tenure-Track-Professuren an den Universitäten schaffen wollen. Eine Tenure-Track-Professur eröffnet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern schon vor der Berufung auf eine reguläre Professur transparente und verlässliche Karrierewege. „An den Universitäten brauchen wir nicht 1.000, sondern 5.000 zusätzliche Tenure-Track-Professuren – um die strukturelle Veränderung der Karrierewege mit dem überfälligen Ausbau der Hochschulen zu verknüpfen“, mahnte Keller. Außerdem müssten Bund und Länder auch für Fachhochschulen ein Tenure-Track-Programm auflegen. „Vielen Fachhochschulen fehlen qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber für ihre Professuren, weil diesen die geforderte Berufserfahrung in der Praxis fehlt. Mit 500 Tenure-Track-Professuren für die Fachhochschulen sollten Bund und Länder qualifizierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Option eröffnen, die fehlende Praxisqualifikation im Rahmen eines ‚Tenure Track Professional‘ zu erwerben“, führte der GEW-Vize aus.

In weiteren Eckpunkten der „Wittenberger Erklärung“ macht sich die GEW unter dem Motto „Geld her – oder wir schließen …“ für eine „Bildungs- und Wissenschaftsfinanzierung aus einem Guss“ stark. „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, aber auch allen anderen Hochschulbeschäftigten und den Studierenden steht das Wasser bis zum Hals. Bund und Länder müssen daher jetzt die Weichen stellen, um die chronische Unterfinanzierung von Bildung und Wissenschaft zu überwinden“, betonte Keller.

Info:Die von Anke Burkhardt verfasste und der Max-Traeger-Stiftung geförderte Expertise des Instituts für Hochschulforschung ist unter dem Titel „Professorinnen und Professoren, Promovierte und Promovierende an Universitäten“ als GEW-Broschüre erschienen. Kostenloser Download s. Link im Text und rechts.

Die 9. GEW-Wissenschaftskonferenz ist gestern in Lutherstadt Wittenberg eröffnet worden und dauert bis kommenden Samstag. Unter dem Motto „Von Pakt zu Pakt?“ diskutieren über 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen, Wissenschaftsorganisationen und politischen Parteien, Bund und Ländern sowie Gewerkschaften über die Perspektiven der Hochschul- und Wissenschaftsfinanzierung.

Die 9. GEW-Wissenschaftskonferenz ist ein Beitrag zur GEW-Initiative „Bildung. Weiter denken!“.

Quelle: GEW-Pressemitteilung „Bund und Länder müssen Entfristungsoffensive an Hochschulen starten!“

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