Freiräume in schrumpfenden Städten: Chancen und Grenzen der Freiraumplanung im Stadtumbau

RößlerVerfasserin: Dr.-Ing. Stefanie Rößler
TU Dresden, Fakultät Architektur
roessler@nse-netz.de
Betreuer: Prof. H. Kokenge, TU Dresden, Lehr- und Forschungsgebiet Landschaftsarchitektur

Hintergrund

Die Entwicklung in den Neuen Bundesländern ist durch einen tief greifenden demografischen und ökonomischen Wandel geprägt. Dieser führt seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre zu anhaltenden Schrumpfungsprozessen in ostdeutschen Städten. Die Dissertation konzentriert sich auf die stadträumlichen Konsequenzen, welche aus den schrumpfungsbedingten Wandlungsprozessen und dem anhaltenden und massiven Nachfragerückgang nach Wohn- und Gewerbebauten resultieren. Nutzungsaufgabe, Abriss und Brachfallen von Gebäuden und Flächen bestimmen bei gleichzeitig weiterer Flächen(neu)inanspruchnahme die Flächennutzungsstruktur der schrumpfenden Städte.

Der Stadtumbau stellt die planerische Reaktion auf diese Herausforderungen dar und wird im Bundesprogramm „Stadtumbau Ost“ politisch forciert und finanziell gefördert. Die Doppelstrategie zum Umgang mit den räumlichen Auswirkungen der Schrumpfungsprozesse besteht aus (1) dem Rückbau dauerhaft leer stehender Wohnungen und damit der Konsolidierung des Wohnungsmarktes und (2) der Aufwertung der betroffenen Stadtquartiere. Die Freiraumplanung ist davon in unterschiedlicher Art und Weise betroffen: Der Abriss nicht mehr benötigter Wohn- und Gewerbebauten resultiert zum einen in einem Zuwachs an freien Flächen, für die in der Mehrzahl keine bauliche Nachnutzung in Frage kommt. Zum anderen besteht der Anspruch an die Freiraumplanung, Lösungen für diese Flächen zu entwickeln und gleichzeitig einen Beitrag zu einem nachhaltigen Stadtumbau zu leisten. Freiraum- und landschaftsplanerische sowie stadtökologische Strategien stellen damit Perspektiven für die entdichteten Stadtstrukturen dar. Freiraumentwicklung bietet wichtige Handlungsoptionen für den Umgang mit den frei werdenden Flächen. Sie leistet gleichzeitig einen Beitrag zur Verbesserung der städtischen Umwelt- und Lebensqualität im Hinblick auf das Ziel, die Attraktivität schrumpfender Städte zu erhalten.

Herausforderung

Betroffene Städte entwickeln eine Vielzahl freiraum- und stadtplanerischer Strategien, um den Herausforderungen des Stadtumbaus zu begegnen. Schrumpfungsprozesse führen zu grundlegend veränderten Rahmenbedingungen und somit zu neuen Anforderungen an die Funktion und Gestalt, die Finanzierung städtischer Freiräume sowie die Umsetzung der Freiraumplanung. Die neuen Aufgaben gehen mit einem Bedeutungswandel und einem neuen Verständnis der Freiräume in der Stadt einher. Insbesondere wird die Frage nach der Gestalt der frei werdenden Flächen und ihren Funktionen im künftigen Stadtgefüge an Bedeutung gewinnen.

Forschungsansatz und Zielstellung

In dieser Arbeit stehen die räumlichen Auswirkungen von Schrumpfung auf die gebaute Stadt im Mittelpunkt. Die Veränderungen im Stadtraum, neue Flächennutzungsmuster, geringere Dichten und ein Zuwachs nicht (mehr) bebauter Räume auf der einen und der Anspruch eines qualitativen und nachhaltigen Stadtumbaus auf der anderen Seite verlangen auch und vor allem nach Reaktionen der Freiraumplanung. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche Bedeutung Freiräume im Umgang mit räumlichen Schrumpfungsprozessen haben und wo die Chancen und Grenzen der Freiraumplanung im Stadtumbau liegen.

Aufbauend auf der Analyse der aktuellen Rahmenbedingungen werden deren Wirkungen auf die Freiraumplanung in schrumpfenden Städten dargestellt. Der Schwerpunkt liegt auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit Stadtmodellen, städtebaulichen Leitbildern und dem Verständnis von Natur und Landschaft in der Stadt als Grundlage für freiraumplanerische Handlungsansätze. Der Umgang mit den neuen Anforderungen an die städtische Freiraumplanung wird insbesondere im Hinblick auf einen Bedeutungswandel im empirischen Teil durch die Untersuchung der Strategien, Entscheidungen und Handlungsansätze von drei betroffenen Städten analysiert. Das Ziel der Arbeit ist eine Beschreibung aktuell angewendeter Ansätze der Freiraumplanung und deren Diskussion bezüglich ihrer Eignung und Zukunftsfähigkeit.

Comments are closed.