Demografische Entwicklung und ländlicher Raum: Bestandserfassung und Handlungsansätze am Beispiel dreier Kleinstädte im Länderdreieck Nordrhein-Westfalen – Rheinland-Pfalz – Hessen

SchwalbachVerfasser: Architekt Dipl.-Ing. Gerrit Schwalbach
Universität Siegen, Fachbereich 9 Architektur und Städtebau
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Ausgangslage
Die demografische Entwicklung wird sich in den Teilräumen Deutschlands unterschiedlich auswirken, da die räumlichen und sozioökonomischen Ausgangsbedingungen ungleich sind. Die im Raumordnungsbericht 2005 gegebene Bevölkerungsprognose des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung geht davon aus, dass die weitere Entwicklung von einem Nebeneinander von Wachstum und Schrumpfung in der regionalen Bevölkerungsdynamik geprägt sein wird. Ferner ist davon auszugehen, dass der Anteil der Regionen mit Wachstumstendenzen abnehmen wird. Neben Verlusten bei der Gesamtbevölkerung werden Veränderungen bei der Zusammensetzung der Bevölkerung aus den verschiedenen Altersgruppen die Gemeinden vor neue Bedingungen stellen: Während der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung zunehmen wird, werden auf der anderen Seite Kinder und Jugendliche deutlich geringere Anteile aufweisen. Der Wettbewerb um Menschen im erwerbsfähigen Alter hat begonnen, das Gefälle zwischen Gebieten mit Wachstums- und Schrumpfungstendenzen wird sich verschärfen. Von Abwanderung und Entleerungstendenzen werden besonders altindustrialisierte sowie ländlich geprägte Teilräume Deutschlands betroffen sein.

Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf den Wohngebäudemarkt, der im ländlichen Raum durch Eigentumsformen geprägt ist, werden gravierend sein. Neben einem Rückgang der Neubautätigkeit wird es beim Wohngebäudebestand zu Angebotsüberhängen kommen und damit die Generierung neuer Nutzungszyklen erschweren oder sogar blockieren. Niedrige Belegungsdichten werden zu einem Rückgang der Versorgungs- und Infrastruktureinrichtungen führen.

Hypothese und Forschungsansatz

Städte und Gemeinden verfügen über keine homogene Siedlungsstrukturen, vielmehr setzten sie sich aus Teilräumen mit unterschiedlichen städtebaulichen Strukturmerkmalen – wie z. B. Gebäudealter, Dichte und Einbindungsqualität – zusammen. Diese Strukturmerkmale gehen unterschiedliche Wechselwirkungen mit den demografischen Rahmenbedingungen ein.

Die Auswertung demografischer Daten nimmt in der Regel Bezug auf administrative Räume, wie z. B. Kreis, Gemeinde oder Stadtteil. In diesem Sinne werden statistische Zählräume unabhängig von städtebaulichen Strukturmerkmalen gebildet. Für die Stadtentwicklung negative Wechselwirkungen sowie wirksame Handlungsansätze können aber nur dann erkannt bzw. entwickelt werden, wenn demografische Daten auf die unterschiedlichen Strukturmerkmale bezogen werden.

Anhand dreier Kleinstädte im Länderdreieck Nordrhein-Westfalen – Rheinland-Pfalz – Hessen wird daher untersucht,

  1. welche demografischen Muster und Entwicklungsverläufe in bezug auf städtebauliche Strukturmerkmale erkennbar sind, und
  2. welche Möglichkeiten die Gemeinden zur Etablierung eines „Demografie-bezogenen“ Raummanagements haben.

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