Architektur für ein gutes Leben – Über Ethik und Verantwortung des Architekten

DüchsVerfasser: Dr. Ing. Architekt, M.A. Martin Düchs
Betreuer: Prof. Vossenkuhl, LMU München, Lehrstuhl Philosophie I

Martin Düchs (2011): Architektur für ein gutes Leben. Über Verantwortung, Ethik und Moral des Architekten. Dissertationsschrift. Uni Bamberg

„Endlich sei noch gesagt, dass die Beständigkeit, das Ansehen und die Zier eines Gemeinwesens am meisten des Architekten bedürfe, der es bewirkt, dass wir zur Zeit der Muße in Wohlbehagen und Gesundheit, zur Zeit der Arbeit zu aller Nutz und Frommen, zu jeder Zeit aber gefahrlos und würdevoll leben können.“
(Leon Battista Alberti 1404-1472)

Inhalt und Methode

Motivation und Ausgangspunkt der Dissertation ist die Feststellung einer großen Diskrepanz zwischen der Bedeutung der gebauten Umwelt für den Menschen und die Natur auf der einen Seite und der ethischen Reflexion auf ihre Entstehungsbedingungen und speziellen Probleme andererseits.

Die Arbeit soll einen Beitrag zur Entwicklung einer Ethik der gebauten Umwelt leisten. Insbesondere die Tätigkeit des Architekten und allgemein die Gestaltung der gebauten Umwelt soll unter ethischen Gesichtspunkten untersucht werden. Was darf man bauen? Was darf man nicht bauen? Was sollte man bauen? Wie sollte man bauen? Welchen Beitrag kann Architektur zum „guten Leben“ im ethischen Sinn leisten?

Die allgemeine Methode der Untersuchung ist zunächst die der Philosophie, die im Wesentlichen aus einem rückgekoppelten Prozess von Denken, Schreiben und Lesen besteht. Spezieller versucht eine bereichsethische bzw. anwendungsorientierte ethische Untersuchung besondere moralische Probleme eines Bereiches menschlicher Handlungen zu erörtern, mittels der Synthese von fachlichem Spezialwissen sowie der Kenntnis allgemeiner ethischer Modelle und Methoden.

Die Dissertation gliedert sich in folgende Teile:

1

Dieses Kapitel enthält zunächst eine allgemeine Einführung in das Thema und eine Diskussion seiner gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Relevanz. Nach genauerer Festlegung des Untersuchungsbereiches und Hinweisen zur Methode wird kurz auf den Forschungsstand eingegangen. Abschließend wird das Thema als der Umweltethik zugehörig verortet.

2

Um den Gegenstand der Untersuchung klar fassen zu können, gebe ich zunächst mein Verständnis von “gebauter Umwelt” und “Architektur” an. Dazu wird auch auf den Entstehungsprozess von Architektur und auf die an diesem Prozess beteiligten Akteure eingegangen. Anschließend erläutere ich mein Verständnis von für diese Untersuchung wichtigen Begriffen aus der Ethik.

3

In diesem Kapitel wird der Zusammenhang von Architektur und Moral beziehungsweise von Architektur und Ethik sowohl unter systematischen als auch historischen Aspekten untersucht.

4

In diesem Kapitel wird die Verantwortung in der Architektur als heuristischer Ausgangspunkt einer Ethik der Architektur umfassend analysiert und diskutiert. Die Feststellung, dass Architektur als eine verantwortungsvolle Aufgabe gesehen wird und die Begründung dieser Feststellung bilden den Ausgangspunkt des Kapitels. Anschließend wird das Verhältnis von Bauherr und Architekt empirisch und systematisch rekonstruiert, bevor die Verantwortung des Architekten, des Bauherren, der Architektenschaft und weiterer Beteiligter genauer untersucht wird.

5

Die Mitarbeit an architektonischen Projekten ist, wie im vorhergehenden Kapitel gezeigt wurde, eine verantwortungsvolle Aufgabe, und die Verantwortung von Architekt und Bauherr, als den beiden wichtigsten beteiligten Akteuren, lässt sich mit einem Modell der unterschiedlichen Dimensionen von Verantwortung systematisieren. Für eine ethische Beurteilung ist dies jedoch noch nicht detailliert genug, da Verantwortung ethisch sekundär ist, insofern sie auf ein Gerüst normativer Aussagen und bestimmter Wertvorstellungen verwiesen ist, also auf eine Ethik, eine Moral oder ein Ethos. Daher wird in diesem Kapitel auf die der Tätigkeit des Architekten zugrunde liegenden moralischen und ethischen Vorstellungen eingegangen; so wie sie sind und wie sie aus meiner Sicht sein sollten. Es erfolgt zunächst eine Systematisierung der Grundlagen normativer Ansprüche an das Handeln des Architekten. Ich sehe dabei drei “normative Systeme”, aufgrund derer dem Architekt Verantwortung auferlegt wird. Es sind dies basale moralische Intuitionen, das Ethos der Architekten und die individuellen moralischen Überzeugungen. Im Anschluß folgt eine deskriptive Untersuchung besagter Grundlagen, gefolgt von einer Untersuchung zur Eignung verschiedener ethischer Ansätze für die Begründung normativer Aussagen zum Handeln von Architekt und Architektenschaft.

6

In diesem Kapitel werden moralische Prinzipien für das Handeln eines Architekten vorgestellt, diskutiert und in erster Näherung spezifiziert. Es sind zum einen die vier, zwar “klassischen”, konkret aber aus der Prinzipienethik von Beauchamp/Childress entnommenen, Prinzipien Gerechtigkeit, Autonomie, Schadensvermeidung und Pflicht zur Sorge, ergänzt um die Prinzipien Wahrheit, Schönheit und Nachhaltigkeit, die ich für den Bereich der Architektur für charakteristisch halte. Insofern sich dieses Vorgehen zumindest in loser Form am metaethischen Modell der so genannten Prinzipienethik von Beauchamp/Childress, in der Form der sechsten Auflage ihres Buches “Principles of biomedical ethics”, anlehnt erfolgt vor der Diskussion der Prinzipien eine kurze Erläuterung der von mir angenommenen metaethischen Grundlagen und der Methode.

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