Finanzierung

von Promotion oder Habilitation

Im Rahmen der sog. Exzellenzinitiative stellen Bund und Länder bis zum Jahr 2011 insgesamt 1,9 Milliarden Euro für die universitäre Spitzenforschung bereit, um so den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken. Welche Möglichkeiten hat jedoch der einzelne Wissenschaftler, für ein konkretes Forschungsvorhaben wie die Promotion oder die Habilitation finanzielle Unterstützung zu erhalten?

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1. Promotion
1.1 Stipendien
1.1.1 Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
1.1.2 Landesgraduiertenstipendien
1.1.3 Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
1.1.4 Begabtenförderungswerke
1.1.5 Private Stiftungen
1.2 Steuerliche Vergünstigungen
2. Habilitation
2.1 Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
2.2 Private Stiftungen
2.3 Förderungs- und Beihilfefonds Wissenschaft
3. ELFI – Servicestelle für elektronische Forschungsförderinformationen

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1. Promotion
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Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern die ersten 18 Graduiertenschulen für den wissenschaftlichen Nachwuchs eingerichtet. In einer zweiten Förderrunde kommen in diesem Jahr weitere über 20 Schulen hinzu, die jährlich mit jeweils einer Million Euro gefördert werden (http://www.bmbf.de/de/1321.php).
Dadurch können in Zukunft mehr Promovenden von staatlicher Förderung profitieren als bislang.

Derzeit erfährt nur ein sehr kleiner Teil der Doktoranden eine staatliche Unterstützung. Es existieren allerdings auch zahlreiche private Stiftungen und Institutionen, die ebenfalls Promotionsstipendien oder Zuschüsse für besondere Aufwendungen vergeben.

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1.1 Stipendien
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1.1.1 Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
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Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt mit staatlichen Mitteln alle Zweige der Wissenschaft in Deutschland. Promovenden werden durch Doktoranden-Stipendien innerhalb von Graduiertenkollegs gefördert. In diesen befristeten Einrichtungen haben die Doktoranden die Möglichkeit, ihre Dissertation im Rahmen eines koordinierten, von mehreren Hochschullehrern getragenen Forschungsprogramms zu erstellen. Die interdisziplinäre Ausrichtung ist ein besonderes Merkmal dieser Kollegs, die sich von den neuen Graduiertenschulen durch eine engere thematische Fokussierung und eine begrenztere Teilnehmerzahl unterscheiden.

Zurzeit werden 257 Graduiertenkollegs gefördert. Neben den Stipendien können zusätzlich Mittel für Reisen, Tagungen etc. beantragt werden. Voraussetzung für ein Stipendium ist ein überdurchschnittlich gutes Examen. Die Altersgrenze liegt bei 28 Jahren. Das Thema der Dissertation muss zudem zum Thema des jeweiligen Kollegs passen. Die Förderungsdauer beträgt zwei Jahre plus maximal ein weiteres Jahr. Doktoranden, die an einem Graduiertenkolleg teilnehmen möchten, wenden sich direkt an das betreffende Kolleg, da die Stipendien von den einzelnen Graduiertenkollegs vergeben werden.

Eine Liste der geförderten Kollegs und weitere Informationen finden Sie unter www.dfg.de

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1.1.2 Landesgraduiertenstipendien
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Die einzelnen Hochschulen vergeben Landesgraduiertenstipendien, die alle ähnliche Voraussetzungen beinhalten. Die Stipendiaten müssen auch hier ein sehr gutes Examen abgelegt haben und die Dissertation muss einen wichtigen Beitrag für die Wissenschaft erwarten lassen. Die Förderungsdauer beträgt in der Regel zwei Jahre und kann in einigen Bundesländern um ein weiteres Jahr verlängert werden. Zur Antragstellung wendet man sich an die Hochschule, an der man promoviert. Jede Hochschule hat eine bestimmte Anzahl von Stipendien zur Verfügung und entscheidet über die Vergabe. Landesgraduiertenstipendien sind unabhängig von Studienfach und Studienabschluss.

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1.1.3 Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
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Der Deutsche Akademische Austauschdienst ist eine gemeinsame Einrichtung der deutschen Hochschulen und wohl die bekannteste Förderstelle für ausländische Hochschulabsolventen, die zu einem Forschungsaufenthalt nach Deutschland kommen. Aber auch Deutsche, die im Ausland Forschungsvorhaben durchführen wollen, die im Zusammenhang mit ihrer Dissertation stehen, können beim DAAD Stipendien beantragen. Druckkostenzuschüsse für Veröffentlichungen der Stipendiaten werden vom DAAD ebenfalls gezahlt. Weitere Informationen finden Sie unter www.daad.de

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1.1.4 Begabtenförderungswerke
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In Deutschland sind elf Begabtenförderungswerke bundesweit tätig. Mit Hilfe staatlicher Zuschüsse werden Stipendien an Studierende und Promovierende vergeben. Im einzelnen handelt es sich um die folgenden Stiftungen:
– Studienstiftung des Deutschen Volkes (www.studienstiftung.de)
– Cusanuswerk – Bischöfliche Studienförderung (www.cusanuswerk.de)
– Evangelisches Studienwerk Villigst (www.evstudienwerk.de)
– Hans-Böckler-Stiftung (www.boeckler.de)
– Stiftung der Deutschen Wirtschaft – Studienförderwerk Klaus Murmann (www.sdw.org)
– Konrad-Adenauer-Stiftung (www.kas.de)
– Heinrich-Böll-Stiftung (www.boell.de)
– Friedrich-Ebert-Stiftung (www.fes.de)
– Rosa-Luxemburg-Stiftung (www.rosalux.de)
– Friedrich-Naumann-Stiftung (www.fnst.de)
– Hanns-Seidel-Stiftung (www.hss.de)

Die Stiftungen haben unterschiedliche Voraussetzungen für die Gewährung von Stipendien. Ihnen ist jedoch gemeinsam, dass sie neben den fachlichen und persönlichen Aspekten Wert auf das Engagement der Stipendiaten in Staat und Gesellschaft legen. Die Förderungswerke stehen Parteien, den Kirchen oder anderen gesellschaftlich relevanten Gruppen weltanschaulich nahe und erwarten von ihren Stipendiaten, dass sie an der Arbeit der Stiftung interessiert sind und aktiv daran teilnehmen. An den einzelnen Hochschulen werden die Stiftungen durch Vertrauensdozenten vertreten. Die Begabtenförderungswerke vergeben, was die Zahl, die Laufzeit und die Stipendienhöhe anbelangt, die meisten Promotionsstipendien in Deutschland. Kurzbeschreibungen sowie Bewerbungsvoraussetzungen und -verfahren der einzelnen Werke finden Sie unter
www.begabtenfoerderungswerke.de

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1.1.5 Private Stiftungen
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Neben den staatlichen Stiftungen existiert auch eine Vielzahl privater Stiftungen, die Stipendien vergeben und Zuschüsse zum Druck von Doktorarbeiten zahlen. Wichtig für die Beantragung eines solchen Stipendiums ist das Thema der Dissertation. Die privaten Stiftungen fördern hauptsächlich Themen, die sich mit dem Schwerpunkt der Stiftung befassen. Neben der thematischen Orientierung können aber auch andere Aspekte wie der Hochschulort oder die Hochschule, der Geburts- oder Wohnort des Bewerbers o.ä. eine Förderung begründen. Einen guten Überblick über die forschungsfördernden Institutionen finden Sie auf der Seite
www.stiftungen.org/…stiftungssuche.html

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1.2 Steuerliche Vergünstigungen
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Kosten, die im Zusammenhang mit der Promotion entstanden sind, können nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom November 2003 als Werbungskosten und damit in unbegrenzter Höhe steuerlich geltend gemacht werden. Voraussetzung ist der Nachweis, dass der Erwerb der Doktorwürde für das berufliche Fortkommen nahezu unentbehrlich oder zumindest von erheblicher Bedeutung ist und dadurch ein Zusammenhang mit späteren steuerpflichtigen Einnahmen besteht. In einer BFH-Entscheidung aus dem Jahr 2005 wird dieser Zusammenhang ausführlich behandelt:
www.bundesfinanzhof.de/www/entscheidungen/2005.3.16/6R7103.html

Kann der Nachweis einer beruflichen Veranlassung der Promotion nicht erbracht werden, zählen die entstandenen Aufwendungen zu den Ausbildungskosten und können als Sonderausgaben bis zum Höchstbetrag von 4.000,- Euro pro Kalenderjahr geltend gemacht werden. Angerechnet werden neben den Druckkosten auch die Kosten für Semesterbeiträge, Arbeitsmaterialien und Reisekosten. Eine Auflistung berücksichtigungsfähiger Positionen finden Sie unter
www.manager-magazin.de/geld/geldanlage/0,2828,314770-3,00.html

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2. Habilitation
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Auch auf dem Weg zur Habilitation gibt es diverse Möglichkeiten, eine finanzielle Unterstützung zu erhalten. Bei verschiedenen Stellen können Habilitationsstipendien, Sachbeihilfen und vor allem Druckkostenzuschüsse für die Habilitationsschrift beantragt werden.

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2.1 Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
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Die DFG fördert ausgewählte Habilitationen in Form verschiedener Sachbeihilfen wie Personalmittel, Mittel für wissenschaftliche Geräte, Verbrauchsmaterial, Reisen und Publikationskosten. Darüber hinaus ermöglicht sie einigen Habilitanden Forschungssemester, indem sie die anfallenden Vertretungskosten trägt. Die Förderungsdauer ist projektspezifisch und beträgt in der Regel mehrere Jahre. Voraussetzung ist eine hohe
wissenschaftliche Qualität und Originalität des Forschungsvorhabens auf internationalem Niveau. Für die Förderung von Habilitationsschriften ist die DFG besonders geeignet, da man in der Regel promoviert haben muss, um einen Druckkostenzuschuss beantragen zu können.
Näheres unter www.dfg.de

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2.2 Private Stiftungen
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Auch im Bereich der Habilitationen gibt es eine Vielzahl privater Stiftungen, die zumeist fach- oder themenbezogene Stipendien vergeben (s. 1.1.5). Innerhalb des Stifterverbands der Deutschen Wissenschaft existiert mit der Claussen-Simon-Stiftung eine Förderstelle, die Habilitationsstipendien in allen Fachbereichen vergibt. Die Förderungsdauer beträgt zwei Jahre. Im Frühjahr 2005 schrieb die Claussen-Simon-Stiftung zudem das Förderprogramm Stiftungsjuniorprofessuren aus, das die Finanzierung von zwölf Professuren vorsieht. Nähere Hinweise finden Sie unter
www.stifterverband.org/initiativen/bildung

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2.3 Förderungs- und Beihilfefonds Wissenschaft
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Der Förderungsfonds Wissenschaft der Verwertungsgesellschaft WORT gewährt Druckkostenzuschüsse für die Erstveröffentlichung wissenschaftlicher Werke, die aufgrund ihrer hohen Spezialisierung sonst nicht erscheinen könnten. Habilitationsschriften und wissenschaftliche Monographien zu Spezialthemen sind für eine Förderung besonders geeignet, da die Auflage der geförderten Werke 1.000 Exemplare nicht überschreiten darf. Über den Antrag zur Förderung entscheidet ein Ausschuss aus Verlegern und Wissenschaftlern.
Näheres unter http://www.vgwort.de/…foerderungsfonds.html


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3. ELFI – Servicestelle für elektronische Forschungsförderinformationen
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Wenn Sie sich bei der Recherche nach einer geeigneten Förderstelle professionell unterstützen lassen möchten, haben Sie die Möglichkeit, die kostenpflichtige Datenbank ELFI der Ruhr-Universität Bochum zu nutzen. Dieser Internetservice sammelt alle Informationen, die für die Forschungsförderung relevant sind (z.B. Ausschreibungen, Adressen von Förderern und Ansprechpartnern), bereitet sie auf und stellt sie nach Anmeldung personalisiert zur Verfügung. ELFI entstand vor knapp zehn Jahren aus einer Initiative der für die Forschungsförderung zuständigen Referenten der deutschen Hochschulen. Es sollte ein Instrument geschaffen werden, das die Informationen zur Forschungsförderung zentral bündelt und hochschulübergreifend zugänglich macht. Zurzeit enthält die ELFI-Datenbank über 4.500 Programme und rund 1.850 nationale und internationale Förderer.
www.ruhr-uni-bochum.de/elfi


Auszug aus dem Newsletter 5/2007 des Shaker Verlag GmbH Herzogenrath (bei Aachen)
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Shaker Verlag.

Alle Rechte, auch das des auszugsweisen Nachdruckes, der auszugsweisen oder vollständigen Wiedergabe, der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen und der Übersetzung, vorbehalten.
(C) Copyright Shaker Verlag GmbH


Ergänzung (3/2017):
Die Mitarbeiterzahlen von Stiftungen sind ein Indikator dafür, wie Finanzkräftig sie sind. Und Stiftungen können ein interessanter Arbeitgeber sein.
Hans Böckler Stiftung: ca. 200 Mitarbeiter
Bertelsmann Stiftung: ca. 350
Robert Bosch: ca. 150
Volkswagenstiftung: ca. 100
Deutsche Bundesstiftung Umwelt: ca. 100
Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW:  ca. 10